Mit guten Gedanken



Mit guten Gedanken
Photo von Joseph Gonzalez,
03. November 2020  ·  von Ronny Weise



Warum Optimismus und Wohlgesonnenheit gerade jetzt so wichtig sind

 

In schwierigen Zeiten mögen einige von uns leicht den Mut verlieren. Andere beginnen, Bedrohlichem mit einer Null-Toleranz-Haltung zu begegnen. Ein völlig menschliches, verständliches Verhalten. Doch ist der Glaube an das Gute, das Mitgefühl und die Suche nach Verbundenheit ein viel besserer Ratgeber – gerade, wenn es alles andere als leicht sein mag. Denn ja, unser Leben bleibt ein schönes. Weil wir es mit guten Gedanken zum Besten gestalten können.

 

Lasst dich doch nicht entmutigen!

Oh weh, Herbstgrau, Pandemie, gesellschaftliche Spaltung, Klimawandel … Weh? Moment mal! Stopp! Bevor wir beginnen: Wie wär’s mit ein paar Lichtblicken in unsicheren Zeiten? Die Kreativität in der täglich wachsenden Masse nachhaltig gedachter Innovationsideen und Geschäftsmodelle zum Beispiel – oder der kleinen guten Taten. Die sich verbreitende Abkehr von der Ideologie des ewigen Wirtschaftswachstums. Das Möglichwerden eines digitalen Miteinanders oder die sagenhafte Engagiertheit einer jungen Generation für den Planeten. Außerdem gibt es auch noch etwas anderes als das große Geschehen. Brechen wir es mal eine Ebene herunter: ins ganz konkrete Kleine.

 

 

Windkraftwerke im Sonnenaufgang

Die Welt ist voll von guten Taten und schönen Dingen. – Photo by Karsten Würth, https://unsplash.com/@karsten_wuerth

 

In jedem Moment versteckt sich Schönes

Wie wäre es mit der Ruhe im sanften Vollmondnebel nachts um drei? Mit dem Lächeln eines Kinds, das morgens erwacht und sich über die Nähe zu seinem Vater und/oder seiner Mutter freut? Mit der luxuriösen Wärme, die beim Duschen über deine Haut rinnt und die innere Schwere schmelzen lässt? Dem zugewandten Blick einer Person, die dir auf der Straße den Weg freimacht aus Rücksicht und Respekt. Der Leichtigkeit im Bauchbereich nach einer hartherzlich-ironischen urberliner Bemerkung von der Kassenkraft. Dem bewussten Innehalten zwischen zwei Arbeitsschritten, um sich der eigenen Lebendigkeit bewusst zu werden. Dem Gelingen eines ganz schnell zusammengezauberten Gerichts. Oder dem inneren Zustand, wenn sich abends im Wohnzimmer der gute Schluck Wochenendwein zwischen den Zeilen eines schön geschriebenen Buchs in wohlig warme Geborgenheit verwandelt.

 

Boden mit braunen Blättern

Nachts sind alle Blätter braun. Und tags? Bestimmt nicht! – Photo by Bernard Hermant, https://unsplash.com/@bernardhermant

 

Mit innerem Licht gegen dunkle Aussichten

Ganz ehrlich? Ich könnte täglich an der Welt verzweifeln – alle paar Stunden. Mich über andere ärgern. Meckern. Klagen. Schwarzsehen. Und das mag typisch deutsch sein. Und es gibt sicherlich genug Gründe dafür. Aber es ist keine Einstellung, die irgendjemanden weiterbringt. Schon gar nicht im November.

Sicher leben wir in einer weltweiten Ausnahmesituation, in einer Zeit der Spaltung, der wachsenden Negativität und des medial vermittelten Hasses. Die Kernwerte unserer Gesellschaft scheinen auf dem Spiel zu stehen. Doch sollte man* als Antrieb nicht dieses abstrakt Bedrohliche nutzen, sondern das, was einem lieb und wichtig ist, was einen freut und was frau* als erstrebenswert betrachtet.

Dabei geht es keinesfalls um Schönmalerei. Eher um die Beweglichkeit des eigenen Blickwinkels. Unsere Welt ist voll von positiven Tatsachen: etwa, dass noch immer die große Mehrheit unserer Mitbürger*innen auf der hellen Seite der Macht steht – auf den Festen des Grundgesetzes und im Licht der Nächstenliebe (freilich selbst, ohne religiös zu sein). Fakt ist auch, dass jede Pandemie einmal ein Ende hat, so wie nach jedem Winter ein Frühling kommt. Und gäbe es keinen Klimawandel, hätten wir vielleicht noch später angefangen, mit der Umweltzerstörung aufzuhören.

 

Bunte Blätter auf der Wäscheleine

Im richtigen Licht sehen die Sachen schon viel besser aus. – Photo by, Chris Lawton, https://unsplash.com/@chrislawton

 

No space for Nocebo!

Will heißen: der pessimistische Mensch wird ganz sicher vor dem optimistischen sterben. An Verzweiflung. Es ist wie mit dem Nocebo-Effekt: Der (unberechtigte) Glaube daran, dass einen etwas (Harmloses) krank machen kann, wirkt sich tatsächlich negativ auf die Gesundheit aus. Umkehrschluss: Optimismus ist wahrscheinlich wirksamer als Homöopathie.

Zu diesem potenziell lebensverlängernden Effekt kommt, dass optimistische Personen am ehesten die Kraft haben, drohendes Übel zu bewältigen. So paradox es klingen mag: Wer die Welt vor dem Untergang retten will, muss das Gute im Schlechten erkennen lernen.

Konzentrieren wir uns also auf positive Denk- und Gestaltungsmöglichkeiten! Egal, wie sehr uns die Viren, Egoisten und Spalter dieser Welt versuchen einzuengen. Das ist eine Kampfansage! Und ihr Leitmotiv heißt gute Laune.

 

Virtuelle Pille für gute Laune

Virtuelle Pille für gute Laune: dem Negativen keinen Platz einräumen! – Photo by United Nations, https://unsplash.com/@unitednations

 

Ein Hoch auf die mentale Flexibilität

Als Bausteine einer besseren Welt brauchen gute Taten also ein Fundament aus guten Gedanken. Und gute Gedanken lassen sich mit sehr einfachen Mitteln herstellen. Denken wir an das, was die Menschheit schon alles geschafft hat:

Wir haben Rad und Architektur, Musik und Medizin, Kochkunst und Internet erfunden. Philosophie. Literatur. Astrophysik. Demokratie. Sozialstaat. Ehrenamt. Artenreiche Kulturlandschaften. Regenerative Energien. Klimaneutrale Transportmittel. Und meinetwegen – warum nicht? – dreilagiges Recycling-Klopapier. Ja, auch ein Augenzwinkern hilft beim positiven Denken. Schließlich ist besagter Toilettenartikel ein essenzielles, kulturelles Gut, das dieses Jahr schon zeitweise auf der Roten Liste stand. Sein wir also dankbar für das Funktionieren unserer Lieferketten!

 

Spielen im Regen

Und wenn es regnet, mach was draus! – Photo by Josh Calabrese, https://unsplash.com/@joshcala

 

Eine kleine Übung in Dankbarkeit

Dankbarkeit hilft ohnehin immer weiter. Der Müll wird abgeholt? Fantastisch, anderorts stinkt’s noch. Strom fließt unterbrechungsfrei? Echt prima, war nicht immer so. Die Bahn fährt? Super, jetzt sogar ein bisschen preiswerter. Luftqualität? Meist ziemlich gut, wir sind nämlich nicht in Mumbai. Wohnfläche? In Deutschland mit durchschnittlich 30 bis 80 Quadratmetern pro Person fast schon luxuriös. Wasser? Kommt garantiert trinkbar aus dem Hahn und noch viel besser aus der Flasche. Urlaub? Wird es für die meisten im nächsten Jahr auch wieder geben, und zwar mindestens 24 Tage (China: 5). Durchschnittsgehalt? 300 % über der nationalen Armutsgrenze. Anderer Meinung? Sind alles Fakten. Aber mach dir trotzdem keinen Kopf und sag’s! Darfst du – sogar ohne nachzudenken.

Wir leben in einem der reichsten und freiheitlichsten Länder der Erde. Okay, das Wetter geht so. Mit der Freundlichkeit … ist halt nicht Griechenland. Aber wenn ich meinen Job verlieren würde, bekäme ich genug Geld, um mit meinen 26 Buchstaben im Warmen zu sitzen, genug zu essen zu haben und Netflix schauen zu können. Nicht wirklich schlimm. Kann frau* sich eigentlich kaum genug drüber freuen. Auch wenn sicher vieles noch viel besser und sozialer geht, ist hier definitiv weder USA noch Russland noch Bangladesch.

 

Danke!

Mal kurz innehalten, sich klarmachen, wie geil es ist, und ganz laut danke sagen. – Photo by Wilhelm Gunkel, https://unsplash.com/@wilhelmgunkel

 

Sich nicht mit negativen Nachrichten zumüllen lassen

Zweifelsohne strömen jeden Tag ganz viele negative Nachrichten auf uns ein. Sie geben mehr als ausreichend Anlass zur Sorge. Gerade uns, denen es gut geht. Wir haben nämlich ganz schön was zum Verlieren in der Tasche. Wie lässt sich dieser Unsicherheit begegnen? Mit Gelassenheit.

Wenn du das hier liest, dann hast du es bis hierhin geschafft – nicht nur textmäßig, sondern aus lebenstechnisch. Bis hierhin hat es geklappt. Vermutlich nicht mal schlecht. Auf jeden Fall immer wieder. Trotz Niederlagen oder schwieriger Zeiten. Warum soll also morgen die Welt untergehen? Wird sie nicht. Zumindest ist das ziemlich unwahrscheinlich.

Deshalb sollten wir uns von den zahlreichen Schreckgespenstern der Informationskanäle nicht verunsichern lassen. Denn in der Tat finden sich auf jedem Portal auch gute Nachrichten. Manchmal muss man* sie ein bisschen suchen. Dann hilft ein kleiner Gute-Laune-Filter oder eine App, die sich aufs Positive konzentriert – Goodnews zum Beispiel.

 

Good Newspaper

Vorsicht, nicht weiterlesen! Sie könnten gute Laune bekommen. – Photo by Good Good Good, https://unsplash.com/@goodgoodgood

 

Verstehen, warum Menschen komische Sachen machen

Ein ganz tolles Rezept, dem Negativen zu begegnen, ist – wie ich finde – das Verständnis. Nehmen wir mal Personen, die sich bösartig verhalten. Warum machen die das? In den seltensten Fällen ist es eine Disposition. Denn wir kommen alle unschuldig und gut auf die Erde. Vielmehr sind es die Umstände, die uns prägen. Bin ich von Übel oder destruktiven Einstellungen umgeben, lerne ich, diese zu reproduzieren. Erfahre ich Geborgenheit und Liebe, so werde ich zu einem positiven Menschen, der/die das Gute mit seinem/ihrem Handeln weitergibt. Kann sich niemand aussuchen.

Manche, die Dummes oder Böses tun, denken wahrscheinlich nicht sehr weit über ihren Tellerrand hinaus. Sie kommen kaum klar in einer ungeheuer komplexen Welt. Und dann suchen sie nach einfachen Rezepten, um sich zurechtzufinden. Oft entsteht Hass aus Hilflosigkeit. Menschen suchen nach Halt – egal auf welchen Wegen. Und prinzipiell können wir mit Verständnis sehr viele von ihnen erreichen, abholen, mitnehmen.

 

Skulptur, Miteinander statt gegeneinander

Gegen etwas vorzugehen ist einfacher als es zu verstehen. – Photo by Daniel Lonn, https://unsplash.com/@shellfish

 

Die Kulturtechnik der emotionalen Selbstpflege

Deshalb ist es eine erstrebenswerte Kunst, auch wirklich zweifelhaften Persönlichkeiten mit einem gewissen Wohlwollen zu begegnen. Fast immer werden sich Gemeinsamkeiten finden, wenn du danach suchst. Na gut, vielleicht will ich gar keine Gemeinsamkeiten mit Nazis und Verschwörungsmystikern haben. Stimmt. Dann rede ich eben nicht mit denen. Ab einem gewissen Punkt ist Selbstschutz vor Negativem (siehe oben) das beste, was wir für unsere Umwelt tun können: dem Zerstörerischen keinen Raum bieten.

Ich für meinen Teil versuche also, immer fein lieb zu mir selbst zu sein. Denn das eigene Befinden bestimmt die Interpretation der Welt – maßgeblich. Mit dieser guten Voraussetzung kann man sich dann auch viel besser Mühe geben, um anderen einen ruhigen Wink zu geben, sich einzusetzen gegen Ego-Gedöns und für ein schickes Leben auf dem ganzen Planeten.

Der Weg mag weit sein. Er braucht krasse, kraftvolle Schritte. Aber mal ehrlich: Richtig loslegen, aufdrehen und vorankommen – das macht auch viel mehr Spaß als müde herumzuschlurfen. Und die Energie dafür kommt aus dem unendlichen Depot einer positiven Einstellung.

 

Schreibmaschine: Alles Gute!

Nett und nett gesellt sich gern. – Photo by Wilhelm Gunkel, https://unsplash.com/@wilhelmgunkel

 

Gib der guten Laune einen Logenplatz!

Macht es euch also nett im Kopf, gemütlich in der Wohnung und sagt euren Mitmenschen schöne Sachen! Ganz sicher, wir kommen schon durch diesen Winter. Und je mehr wir jetzt aufeinander achten, miteinander sprechen, emotional zueinander finden, desto schöner wird der Sommer. Der Sommer wird Hammer! 🙂

 

Today was a good day

Weil morgen schon heute gut gewesen sein wird … – Photo by Patrick Tomasso, https://unsplash.com/@impatrickt




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