Woran erkennt man saubere Seen?



Woran erkennt man saubere Seen?
28. Oktober 2019  ·  von Witold Michalczyk



Zu allen Jahreszeiten bieten Seen ein eindrückliches Naturerlebnis: von den Wassergeräuschen über die vielfältige Pflanzenwelt bis hin zu Tieren, die diesen Lebensbereich nutzen. Doch wie immer beim Thema Wasser ist auch hier gute Qualität die Voraussetzung für ungetrübten Genuss. Manchmal ist das Wasser nur scheinbar klar und rein. Bei einem Spaziergang um den herbstlichen Lieblingssee auf Indikatoren für ein gesundes Gewässer zu achten.

Wenn der Sommer gegangen ist, wird es an den Seen meistens still. Das gilt für die Gewässer rund um Berlin genauso, wie für die Seen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder anderen Bundesländern: Die portablen Grille sind eingemottet, Badestellen (offzielle und die meist schöneren Geheimtipps) verwaist. Doch sind die sonnnigen Herbstage geradezu ein idealer Anlass, in dieser Stille bei einem Spaziergang den Kontrast zwischen grau-blauer Wasserfläche und dem ausschweifenden Bunt der umgebenden Natur zu genießen. Und es lohnt sich die Frage, wie sich Qualität des Wassers prüfen lässt.

Bei den vielen ausgewiesenen Badeseen, die uns während des Sommers Erfrischung gebracht haben, ist die Antwort einfach – zumindest scheinbar. Während der Saison stellen Prüflabore die Wasserqualität von Badeseen in regelmäßigen Abständen fest. In Brandenburg geschieht dies zwischen dem 15. Mai und dem 15. September. Doch selbst das stichhaltigste Prüfergebnis kann binnen weniger Wochen ungültig werden, wenn extreme Umwelteinflüsse auf das Gewässer einwirken. Hitzeperioden im Sommer, kontinuierlicher Zufluss von Dünger, exzessive Nutzung durch den Menschen können innerhalb einer kurzen Zeitspanne die Qualität eines Gewässers stark beeinflussen.

Qualität von Seewasser selbst einschätzen

Man kann die Wasserqualität eines Sees aber auch anhand einiger einfacher Kennzeichen selbst einschätzen. Bestimmte Pflanzen, die in und um ein Gewässer leben, geben wichtige Hinweise. Allgemein gelten klare, nährstoffarme Seen als besonders sauber.

Armleuchteralge

Armleuchteralgen können unter solchen Bedingungen gut gedeihen. Ihren Namen verdanken sie den in regelmäßigen Abständen am Hauptstängel sitzenden Quirlästen, die wie ein vielarmiger Kerzenleuchter aussehen. Mit wabernden Teppichen gewöhnlicher Grünalgen haben sie nichts gemein, sie ähneln eher höheren Landpflanzen. Wer Schachtelhalme kennt, wird sich an diese Form erinnern. Armleuchteralgen sind meist nicht sofort zu sehen, da sie am Grund des Sees wachsen. Geht man nahe genug heran, kann man diese sehr urtümliche Pflanze, die bis zu einem Meter groß wird, jedoch gut erkennen. Leider sind Armleuchteralgen stark gefährdet.

Wasserlobelie

Auch immer seltener zu sehen ist das Gefärbte Laichkraut. Wie die Armleuchteralge reagiert es empfindlich auf Wasserverschmutzungen und ist daher ebenfalls ein guter Anzeiger für saubere Seen. Seine Schwimmblätter an der Wasseroberfläche sind durch ihre Länglich-ovale Form gut von Seerosenblättern zu unterscheiden. Etwa von Juni bis August, manchmal auch schon im Mai und bis in den September hinein, ragen die unscheinbaren Blüten wie kleine Tannenbäume aus dem Wasser heraus.

Brachsenkraut

Weitere Pflanzenarten in nährstoffarmen, gesunden Seen sind zum Beispiel Wasserlobelie, Brachsenkraut und Strandling.

Gibt es auch Indikatoren für schlechte Wasserqualität?

Die Uferzone eines Sees sowie der Seeboden bietet vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Natürlich gehören auch Wasservögel wie Ente, Kormoran und Blesshuhn dazu. Ist deren Population im Vergleich zur Gewässergröße aber zu stark, kann sich das auf die Wasserqualität negativ auswirken. Durch zu viele Ausscheidungen steigt der Nährstoffgehalt des Gewässers dann schneller an, als er vom Ökosystem kompensiert werden könnte. Nach starken Regenfällen können aber auch Abwassereinleitungen durch Überlaufkanäle zum Problem werden, genauso wie Abschwemmungen von landwirtschaftlichen Flächen.

In solchen Gewässern findet man eine andere Vegetation: Das Raue Hornblatt zum Beispiel gedeiht in eher nährstoffreichen Seen. Große Mengen dieser Wasserpflanze deuten auf eine starke Belastung mit zu vielen Nährstoffen hin. Einleitungen von Stickstoff- und Phosphorverbindungen können unter Umständen sogar eine starke Vermehrung von Blaualgen auslösen. Es handelt sich hierbei eigentlich um Cyanobakterien, die vor allem in der Algenblüte Toxine und Allergene bilden. Man erkennt ein zu starkes Vorkommen von Blaualgen meist an stark grünlich oder braun-grünlich eingefärbtem Wasser und an Schlieren bis hin zu Algenteppichen, die an der Wasseroberfläche schwimmen.

Das Thema Blaualgen ist vor allem im Sommer in den Medien präsent. Denn in stehenden Gewässern ist das Baden dann gesundheitsgefährdend. Doch auch im Herbst sind die Cyanobakterien eine Belastung für Seen. Denn sobald die Tage kühler und kürzer Tagen werden, sterben sie ab, sinken zu Boden und zersetzen sich. Die für den Herbst typische kräftige Durchmischung der Wasserschichten, verteilt die bei der Zersetzung im unteren Bereich des Sees enstehenden Faulgase wie Schwefelwasserstoff im gesamten Gewässer und kann ein Fischsterben auslösen.

 

Bilder:
Christian Fischer, Rolf Engstrand, Laurenc Marsol



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