Was, wenn uns das Wasser ausgeht?



Was, wenn uns das Wasser ausgeht?
15. Januar 2021  ·  von Hilmar Hilger



„Ohne Wasser, kein Leben.“ Klingt harmlos logisch. Das Thema Wasser enthält aber gewaltige Sprengkraft, die in der Lage ist, ganze Regionen zu entzweien. Glaubst Du nicht?
Im Sommer letzten Jahres wurde der neueste Wasserrisiko-Atlas veröffentlicht. Einem Viertel der Weltbevölkerung droht demnach akuter Wassermangel. Eine Entwicklung, die sich auch schon in den Vorjahren abgezeichnet hat: 2017 musste Rom erstmals sein Wasser rationieren, 2018 drohte Kapstadt das Nass auszugehen und 2019 stand die indische Millionenstadt Chennai vor leeren Reservoiren. Wie gut, dass es da bei uns ganz anders aussieht… oder etwa nicht?

Immer mehr Flüsse und Bäche verlieren dramatisch an Wasser.

Während das Umweltbundesamt noch davon ausgeht, dass Wasserstress in Deutschland nicht zu erwarten sei, sieht die Situation in unserer Region gänzlich anders aus. Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel hatte im August 2020 die Wassersituation als „ernst“ beschrieben. Teilweise würden in der Spree nur zehn Prozent der üblichen Wassermenge fließen, die Schwarze Elster sei in einigen Bereichen sogar ausgetrocknet. Noch deutlicher macht dieses Problem die rbb-Dokumentation „Auf dem Trockenen“. Die Doku stellt nachdrücklich Fragen, die beantwortet werden müssen: Geht Berlin und Brandenburg bald das Wasser aus? Wer sitzt zuerst auf dem Trockenen?

Wenn das Wasser knapp wird, drohen Verteilungskämpfe zwischen Gemeinden, Industrien und natürlich den Wasserwerken, die ihre Brunnen immer tiefer treiben müssen.

Das liegt aber nicht nur an der Klimawandel-bedingten Wasserknappheit, die jedes Jahr spürbarer und erdrückender wird. Vielmehr sind die Versorger bald kaum noch in der Lage, die Qualitätsstandards zu halten, die wir gewöhnt sind. Woran das liegt? Antwort: an der konventionellen Landwirtschaftsindustrie, die noch immer etwa 90% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzung in Deutschland ausmacht. Durch sie finden chemisch-synthetische Pestizide und Düngemitteln den Weg in unser aller Grundwasser. Ein Zusammenschluss westeuropäischer Trinkwasserversorger appellierte vor kurzem an die EU-Landwirtschaftsminister, die EU-Kommission, das Europaparlament und die Bundesregierung zum Umsteuern der Agrarpolitik. Schon jetzt sei absehbar, dass selbst eine Nachrüstung in den Wasserwerken nicht mehr ausreichen werde, um alle Belastungen zu entfernen.

18,8% der dt. Grundwasser-Messstellen zeigen Nachweise von Pestiziden, 57,5% zeigen Nachweise so genannter nichtrelevanter Metabolite.

Laut Schwarzbuch Wasser 2020 sind 36% der deutschen Grundwasserkörper bereits jetzt in chemisch schlechtem Zustand. 28% aller Grundwassermessstellen im Nitratmessnetz liegen über dem gesetzlichen Nitrat-Grenzwert von 50,0 mg/l. Hinzu kommen andere Belastungen: besonders Arzneimittelrückstände sind ein Problem. Der Spitzenwert mit 19 verschiedenen Arzneimittelrückständen fand sich vergangenes Jahr in Berlin, im Wasserwerk Tegel.

Viel zu lange scheinen sich die Verantwortlichen auf dem Nimbus des „am besten kontrolliertesten Lebensmittel“ ausgeruht zu haben. Denn Kontrollen sind gut, wichtig ist aber, nach welchen Standards die Güte des Wassers bemessen wird. Lange wurde die europäische Trinkwasser-Verordnung nicht verändert. Ende des Jahres nun gab es eine Novellierung, die schärfere Qualitätskontrollen verlangt. Nur ein paar Wochen später schlagen die Versorger Alarm und warnen vor dem schlechten Zustand des Grundwassers. War der Zustand vor der Anpassung der Trinkwasser-Richtlinie etwa ein anderer gewesen?!

Fakt ist: die Wasserknappheit und die zunehmende Belastung des Grundwassers geht uns alle an. Auch einen Mineralwasser-Brunnen, wie die Rheinsberger Preussenquelle. Zwar verfügen wir über ein beträchtliches Wasserreservoir, das viele tausend Jahre alt ist und in dem keinerlei menschliche Einflussnahme nachzuweisen ist. Aber der Schutz unserer heimischen Ressourcen geht uns alle an. Verbraucher*innen, Unternehmen, Politik und Gesellschaft.

Die Klimawandel-bedingten Hitzesommer sowie die damit einhergehende Wasserknappheit sind ein universelles Problem. Der nachdrückliche Appell der europäischen Wasser-Versorger zeigt, wie dramatisch die Veränderungen sind, die uns alle bereits betreffen.

Jede und jeder hat die Möglichkeit, die dringend benötigten Kurskorrekturen zu unterstützen. Egal, ob zu Hause Mineralwasser oder Wasser aus der Leitung auf den Tisch kommt. Böden, Grundwasser und letztendlich Umwelt und Klima profitieren von der richtigen/nachhaltigen Art der Landwirtschaft: dem Ökolandbau. Wir alle können durch unseren Einkauf Teil der Veränderung sein!

Anmerkung:
Gendern ist genauso schwierig wie nötig. Falls es mir nicht überall gelungen ist: es sind immer alle mitgemeint.



0 Kommentare




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*