„Unsere Quelle ist wie ein Kind, um das man sich sorgt“



„Unsere Quelle ist wie ein Kind, um das man sich sorgt“



An der Qualität des Grund- und Mineralwassers zeigt sich, wie der Mensch mit der Natur umgeht. Allerdings erst nach vielen Jahren. Wir haben Frank Stieldorf, Geschäftsführer der Rheinsberger PreussenQuelle, gefragt, was sein Unternehmen dafür tut, damit auch zukünftige Generationen, klares und unbelastetes Wasser genießen können, was Landwirtschaft mit der Qualität von Mineralwasser zu tun hat und weshalb man Wasser heute mit dem Label ‚Bio’ auszeichnen muss.

Ihr Unternehmen setzt sich stark mit dem Thema Wasserschutz auseinander. Ist das nicht selbstverständlich für einen Mineralbrunnen?

Frank Stieldorf: Sicherlich ist jeder Mineralbrunnen um sein Wasser besorgt. Schließlich kauft er sein Wasser nicht bei einem Lieferanten ein, den er nach Bedarf wechseln kann. Ein Mineralbrunnen hat eine oder mehrere Quellen, aus denen er sein Wasser bezieht. Ein Wechsel ist nicht möglich, und daher ist jede Quelle wie ein eigenes, sehr individuelles Kind, um das man sich bemüht und sorgt.

Der Unterschied ist, dass wir nicht nur unseren Brunnen sehen, sondern einen deutlich erweiterten Blickwinkel haben. Wir sehen Wasser als gesamtökologisches Ergebnis. Anhand der Wasserqualität lässt sich ablesen, wie gut wir mit unserer Natur umgegangen sind.

Inwiefern?

Stieldorf: Wasser ist ein Transportmittel, es nimmt Umwelteinflüsse auf, bewegt sie, führt sie weiter, und irgendwann geht der Weg durch den Boden. Der Boden hat unter anderem die Funktion eines ganz natürlichen Filters. Aber was geschieht, wenn der Filter selbst belastet oder ‚überfüllt’ ist und seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann? Die Antwort liegt auf der Hand: Wir haben dann kein gutes Wasser mehr. An der Wasserqualität lässt sich also ablesen, ob wir es gut oder schlecht gemacht haben.

Und wo sehen Sie nun den Ansatzpunkt für aktiven Wasserschutz?

Stieldorf: An erster Stelle heißt es, bei sich selbst anfangen und an zweiter Stelle, möglichst viele Menschen auf dem Weg mitnehmen. Ich erkläre Ihnen gerne, was ich damit meine: Als Unternehmen wollen wir im Einklang mit der Natur stehen. Da ein Unternehmen nicht wie ein Baum aus dem Boden wächst, muss man sich dem Ziel annähern. Das heißt zum Beispiel, den Einsatz regenerativer Energien – Strom und Gas – zu einer Selbstverständlichkeit machen. Darüber hinaus arbeiten wir gerade an einer CO2-neutralen Produktion. Auch Etikettenpapiere und Werbemittel müssen für uns heute umweltverträglich sein.

Wasserschutz ist also viel umfassender zu sehen, als das Vermeiden einer direkten Kontamination von Wasser. Es ist der gesamte Umgang mit der Umwelt, die auf das Medium Wasser Einfluss nimmt und dann zu einem guten oder schlechten Wasserergebnis führt.

Das ist komplex, vielschichtig, detailreich und umfassend. Gerade deswegen ist es notwendig, mit Menschen in Kontakt zu treten und diese Komplexität transparent zu machen.

Wie sieht das konkret für Ihr Unternehmen aus?

Stieldorf: Wir treten mit Schulen und Hochschulen in Kontakt, sprechen mit Schülern und Studenten, bieten Workshops an und laden zu unserem alljährlich stattfindenden Nachhaltigkeitstag ein. Alle Maßnahmen haben dabei das Ziel, ein erweiterte Verständnis im Umgang mit der Ressource Wasser zu schaffen.

Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen ökologischem Landbau und Wasserschutz?

Stieldorf: Die Landwirtschaft hat aufgrund des Flächenanteils einem maßgeblichen Einfluss auf die Wasserqualität. Zuerst auf die Qualität des Grundwassers und später auf die Ressource Wasser in tiefen Erdschichten. Es ist eigentlich ganz einfach: Wird der Boden nicht belastet und bleibt er in einem ganzheitlichen Einklang, garantiert dies einen langfristigen Boden- und Wasserschutz. Leider stehen kurzfristige, wirtschaftliche Ziele noch immer vor ökologischen Notwendigkeiten. Und die ersten Anzeichen von Rückständen, die im Wasser nachweisbar sind, haben eine lange Historie im Boden. Denn der Boden und die darin vorhandenen Mikroorganismen haben bereits viele Jahre leiden müssen, bevor man im Wasser etwas finden kann. Wenn ein Nachweis zu reklamieren ist, dann ist schon alles sehr spät. Die Ursachen der Ergebnisse, von denen wir heute sprechen, wurden vor vielen Jahren aufs Feld gebracht. Anders gesehen heißt das: Es ist noch erschreckend viel unterwegs.

Ökologischer Landbau ist die einzige wirkliche Alternative, wenn man über Landwirtschaft in Zusammenhang mit Wasserschutz spricht.

Aber in Deutschland haben wir doch eine sehr gute Trinkwasser-Qualität. Ist das nicht ein Jammern auf hohem Niveau?

Stieldorf: Ja, es heißt, wir hätten in Deutschland eine sehr gute Wasserqualität. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern mag das auch stimmen. Und doch wurde Deutschland gerade erst von der EU aufgrund zu hoher Nitratbelastungen verklagt. Aber alles ist keine Entschuldigung und noch weniger ein Argument, das man akzeptieren darf. Wie bereits erwähnt, ist heute schon sehr viel unterwegs, was wir erst in den nächsten Jahren und Jahrzehnten als Ergebnis präsentiert bekommen. Man sollte nicht vergessen, dass Wasser unsere Lebensgrundlage ist. Damit sollte man nicht leichtfertig umgehen.

Reicht es nicht, wenn man Wasser aufbereitet? Auch für Privathaushalte gibt es doch bereits Filter für den täglichen Gebrauch.

Stieldorf: Mich befremdet dieser Ansatz ein wenig: Man hat ein Problem, also erfindet man etwas, mit dem man es wieder gutmachen kann. Aus meiner Sicht ist das zu wenig und zu spät. Es ist schlimm, wenn es soweit kommt, und es nicht mehr anders geht. Global gesehen ist das Aufbereiten von Trinkwasser keine Ausnahme mehr. Das kann dazu führen, dass nur noch diejenigen, die es sich leisten können, Zugriff auf Trinkwasser haben. Besser ist es doch, deutlich früher anzusetzen: Wir wollen kein Wasser, dass man aufbereiten muss. Wir wollen sauberes Trinkwasser und bestes Mineralwasser aus tiefen Erdschichten. Dafür setzen wir uns ein.

Und Bio-Mineralwasser? Ist der Begriff ‚Bio’ wirklich auch bei Wasser notwendig?

Stieldorf: Leider ja. So wie man Gurken, Tomaten, Äpfel mit ‚Bio’ kennzeichnen muss, um klar zu stellen, dass es sich hier um Produkte ohne sonstige Zusätze handelt, muss man das mittlerweile – leider – auch bei Mineralwasser tun. Natürlichkeit ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Das ‚normalste’ der Welt muss als etwas Besonderes markiert werden. Ich spreche gerne von einer 180-Grad-Verdrehung der Sichtweisen. Schade, dass es so ist. Für uns ist das ein Aufruf, es besser zu machen.




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