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Irreführende Verwendung des Begriffs Bio-Mineralwasser



Irreführende Verwendung des Begriffs Bio-Mineralwasser
14. November 2018  ·  von Witold Michalczyk



Danone wegen Volvic abgemahnt

Wasser kann bio sein, muss dafür aber die entsprechenden Kriterien erfüllen. Diese hat die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser erarbeitet. Seitdem haben mehrere Mineralbrunnen das Zertifikat der Gemeinschaft erhalten, das für höchste Transparenz steht – auch die Rheinsberger PreussenQuelle.

Seit einiger Zeit wirbt auch Volvic, die Wassermarke des Danone-Konzerns mit den Labels „Natürlich Bio“ und „Premiummineralwasser in Bio-Qualität“. Die Label werden vom privaten Unternehmen SGS Institut Fresenius an seine Kunden vergeben, widersprechen aber in mehreren Punkten den etablierten und vom Bundesgerichtshof (BHG) 2012 bestätigten Richtlinien der Qualitätsgemeinschaft, die auch die Verbände Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis sowie der Bundesverband Naturkost Naturwaren tragen.

Stellvertretend für die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser und zahlreiche mittelständische Mineralbrunnen hat daher der Bio-Pionier Neumarkter Lammsbräu eine Abmahnung des Großkonzerns Danone wegen der irreführenden Verwendung der Bio-Begriffs erwirkt.

Fehlende Bio-Reinheit

Die Richtlinien des Fresenius-Instituts lassen genauso viele Rückstände von Pestiziden und ihren Abbauprodukten zu wie die Regelungen für konventionelles Mineralwasser. Das verletzt die explizite BGH-Vorgabe, dass Bio-Mineralwasser deutlich reiner sein muss als konventionelles Mineralwasser. Für Nitrat gelten bei den Fresenius-Richtlinien doppelt so hohe Grenzwerte wie beim Siegel der Qualitätsgemeinschaft. Von Fresenius zertifiziertes Mineralwasser darf außerdem kritische Stoffe wie Chrom VI unbeschränkt enthalten. Zudem ist der Einsatz von radioaktiver Bestrahlung sowie von Industriekohlensäure, einem Abfallprodukt aus diversen chemischen Herstellungsprozessen, ausdrücklich erlaubt.

Keine Transparenz und Unabhängigkeit bei Überwachung und Zertifizierung

Für den BGH ist eine Trennung zwischen dem Richtlinien entwickelnden Verband, einer unabhängigen Prüf- und Zertifizierungsinstanz und den Lebensmittelherstellern eine zentrale Forderung, die Bio-Produkte kennzeichnet. Bei Volvic liegen die Aufstellung der Prüfkriterien sowie die Überwachung und Zertifizierung der Produkte stattdessen komplett in den Händen des von Danone selbst beauftragten und bezahlten Fresenius-Instituts. Eine Trennung findet nicht statt. Zudem ist Fresenius kein zugelassener Bio-Zertifizierer und passt die Zertifizierung sowie deren Umfang den Anforderungen des jeweiligen Kunden an. Damit sind mögliche Verstöße und sich daraus ergebende Konsequenzen wie etwa eine Aberkennung des Siegels praktisch ausgeschlossen. Transparenz fehlt dabei völlig, da der Großteil des zur Anwendung kommenden Untersuchungs- und Prüfumfangs, die Grenz- und Orientierungswerte sowie die Ergebnisse für die Allgemeinheit nicht zugänglich sind. Die von Fresenius für „Premiummineralwasser in Bio-Qualität“ aufgestellten Kriterien sind also weder allgemein verbindlich noch nachvollziehbar.

Kein angemessener Umwelt- und Wasserschutz

Es gibt bei den Richtlinien des Fresenius-Instituts keine Pflicht zur nachhaltigen Bewirtschaftung beziehungsweise dem Schutz der Quellen. Zwar werden von Fresenius 97 soziale und ökologische Aspekte als Kriterien angeführt, die zu beachten seien. Bei ihnen handelt sich aber in Mehrheit um für entsprechende Unternehmen sowieso automatisch geltende gesetzliche oder tarifvertragliche Regelungen. Eine pro-aktive Förderung des wasserschützenden und für die Bio-Idee ebenfalls kennzeichnenden ökologischen Landbaus ist zum Beispiel überhaupt nicht vorgeschrieben. Das Fresenius-Richtlinien klingen daher eher nach „Greenwashing“ als nach echtem Interesse am Umwelt- und Wasserschutz.

Für Susanne Horn von der Geschäftsleitung der Neumarkter Lammsbräu steht daher fest: „Volvic ist kein Bio-Mineralwasser und trägt nur ein Schein-Bio-Siegel. Es kann nicht sein, dass dieselben Konzerne, die mit ihrer Produktpalette die Umweltzerstörung durch die konventionelle Landwirtschaft mitverursachen, jetzt mit genau auf ihre Bedürfnisse zurechtgestutzten Schein-Bio-Siegeln den Eindruck erwecken wollen, Teil der Bio-Lösung zu sein. Hiergegen müssen wir uns alle gemeinsam wenden.“

 

 

Dem pflichtet Frank Stieldorf, Geschäftsführer der Rheinsberger PreussenQuelle, bei: „Gerade, wenn es um Wasser geht, unserem wichtigsten Lebensmittel, darf es für die Verbraucher keine Unsicherheit geben. Gesellschaftliches und ökologisches Engagement stehen für uns auf der gleichen Ebene mit der absoluten Reinheit des Produkts. Nur das Bio-Mineralwasser-Siegel der Qualitätsgemeinschaft steht für Unabhängigkeit und höchste Transparenz. Und damit für die Garantie, Wasser wirklich zu schützen und Worten für jeden nachvollziehbare Taten folgen zu lassen.“

Witold Michalczyk

Witold Michalczyk

Nachhaltigkeit, Technik und Handwerkskunst – über diese Themen recherchiert und schreibt Witold A. Michalczyk begeistert. In der Freizeit lässt er sich von seinem Garten, auf Touren durch einsame Höhlen und der Geschichte des Stummfilms zu neuen Ideen inspirieren. Witold A. Michalczyk lebt am Rand der Schwäbischen Alb.
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