Boden gut machen



Boden gut machen
16. März 2021  ·  von Hilmar Hilger



Ein Mineralwasser-Unternehmen organisiert einen Landwirtschaftstag für die Bäuer*innen der Region. Ohne großes Tamtam. Keine pressewirksame Baum-Pflanzaktion mit Promi-Unterstützung. Kein „Kauf eine Kiste und wir retten einen Quadratmeter Urwald“-Versprechen. Dafür aber geballte Fachkompetenz in Sachen Nachhaltigkeit. Expert*innen und Praktiker*innen, die wissen, wie Landwirtschaft mit und im Sinne der Natur funktioniert, teilen ihre Kenntnisse mit den Gästen des Informationstages. Das Ziel: ökologischer und nachhaltiger Landbau in Brandenburg. Warum machen die Rheinsberger das?

Mindestens genauso wichtig wie der Ertrag ist der Zustand des Ackers.

Viele Menschen haben mittlerweile verstanden, dass Naturschutz eine globale Aufgabe ist. Als vor etwa vierzig Jahren die Nachrichten zu massenhaften Fischsterben in Flüssen oder dem desolaten Zustand der Wälder die breite Öffentlichkeit erreichten, dachten viele, es reiche aus, einige Stellschrauben zu drehen, um diese Entwicklungen aufzuhalten. Heute wissen wir, alles hängt mit allem zusammen. Unser Ökosystem ist komplex und eine aussterbende Tier- oder Pflanzenart nur ein Symptom eines viel größeren Schadens, den wir noch nicht absehen können. Deshalb denken Umweltschützer*innen in großen Dimensionen. Der Schutz der Meere, der Luft oder des Polareises sind bekannte Beispiele dafür. Erst seit Kurzem wird in Medien und Gesellschaft die Bedeutung des Bodens mehr und mehr hervorgehoben. Allerhöchste Zeit, denn er bildet im wahrsten Sinne des Wortes die Grundlage für unser Leben. Warum? Hier ein kurzer Abriss:

Ohne Boden keine Landwirtschaft. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Eier, Fleisch – all das braucht landwirtschaftliche Fläche bzw. deren Erzeugnisse. Ein guter Grund für einen gesunden Boden, nicht wahr? Da steckt aber noch viel mehr drin, zum Beispiel seine Filterfunktionen: physikalisch, chemisch und biologisch reinigt und belebt ein intakter Boden das Wasser, welches als Regen einsickert und irgendwann zu Grundwasser wird. Jetzt wird die Motivation der Preussenquelle schon klarer. Damit aber noch lange nicht genug. Böden können auch Klimaschützer sein. Der Aufbau von 0,1 Prozent Humus pro Hektar entspricht – abhängig von der Bodenart – etwa einer Bindung von drei bis sechs Tonnen CO2. Zudem ist ein gesunder Boden in der Lage, Wasser wie ein Schwamm zu speichern, anstatt das kostbare Nass schlichtweg abfließen zu lassen; extrem wichtig für ein Land wie Brandenburg, das unter den Hitzesommern besonders zu leiden hat. Böden sind außerdem wahre Schatzkammern der Biodiversität: Pilze, Einzeller, Asseln, Gliederfüßer, Regenwürmer und vieles mehr. In der oberen Bodenschicht eines fruchtbaren Bodens leben pro m² allein eine Billiarde Bakterien. Würde man diese aneinanderreihen, so könnte man sie 25-mal um den Erdball legen.

Ökologischer Landbau bedeutet auch, Humus aufzubauen, statt Böden auszulaugen.

Und was machen wir, die Menschen, mit diesem gewaltigen Ökosystem? Täglich werden in Deutschland rund 56 Hektar als Siedlungsflächen und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Das entspricht der Fläche von etwa 79 Fußballfeldern. Kunststoffe sind in vielen Böden mittlerweile allgegenwärtig: Zigarettenkippen, Plastik, Klärschlamm, Reifenabrieb und vieles mehr. Doch eine Schlüsselrolle nimmt die konventionelle Landwirtschaft ein. Die Nitratbelastungen in Böden und Grundwasser sind vielerorts grenzwertig. In immer mehr Grundwasser-Messstellen lassen sich Pestizide und/oder deren Zerfallsprodukte nachweisen. Wen wundert das bei bis zu 40.000 Tonnen Pestiziden, die hierzulande jährlich ausgebracht werden?!

Nahe Rheinsberg unterstützen wir die Umstellung mehrerer Hektar auf Bio-Landwirtschaft.

Ganz klar: der Boden braucht unseren Schutz. Wir als „Mineralwasser-Bauern“ wissen das nur zu gut. Deshalb stellen wir am 22.April (Tag der Erde) bereits den vierten Landwirtschaftstag auf die Beine. Denn ökologischer Landbau ist die nachhaltige Alternative zur konventionellen Landwirtschaftsindustrie und somit effektiver Boden- und Wasserschutz. Dabei geht es uns nicht um die mittelfristige Bewahrung unserer Quelle. Das Wasser der Rheinsberger Preussenquelle liegt in 170 Metern Tiefe und ist tausende Jahre alt. Diese Unberührtheit wird noch sehr lange anhalten. Nein, wir alle brauchen nicht nur gesundes und reines Mineralwasser, sondern auch möglichst unbelastetes Grundwasser. Eine Ressource, die für Mensch und Natur gleichermaßen essentiell ist.

Du willst das unterstützen? Es gibt viele Möglichkeiten den Boden aktiv zu bewahren. Die einfachste ist und bleibt: iss und trink bio.




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