Wasserfußabdruck auf dem blauen Planeten



Wasserfußabdruck auf dem blauen Planeten
18. Mai 2018  ·  von Witold Michalczyk



Ob Lebensmittel, Kleidung oder Auto – alle Konsumgüter benötigen bei der Herstellung Wasser. Wieviel hängt von zahlreichen äußeren Umständen ab. Das so genannte virtuelle Wasser erfasst die Menge Wasser, die benötigt wird, bis wir eine Tomate essen, eine Jeans anziehen oder mit dem Cabrio fahren können. Hoher Wasserverbrauch muss nicht immer ein schlechtes Vorzeichen sein.

 

Vor einiger Zeit hatten wir hier in unserem bleibt natürlich! Blog erwähnt, dass es 3000 bis 4000 Liter Wasser für Anbau und Bewässerung von Futtermitteln sowie für Trinkwasser benötige, bis ein 200-Gramm-Rindersteak in der Pfanne brutzelt. Wie sind wir auf diesen Wert gekommen? In welchem Verhältnis steht er zu anderen Lebensmitteln? Und lässt sich auch für die vielen anderen Dinge des täglichen Lebens vom Auto über Möbel bis hin zur Kleidung sagen, wieviel Wasser ihre Produktion verbraucht?

Tatsächlich gibt es gleich mehrere Methoden, die Menge des aufgewendeten Wassers zu berechnen, bis eine Ware auf unseren Tellern landet, in unserer Garage steht oder im Kleiderschrank hängt. Allen Ansätzen gemeinsam: Sie laufen unter dem Stichwort „virtuelles Wasser“. Ein Begriff, den vermutlich der englische Geograf John Anthony Allan etwa 1995 erstmals benutzt hat. Im virtuellen Wasser ist die Menge Wasser zusammengerechnet, die tatsächlich für die Herstellung eines Produkts oder für eine Dienstleistung anfällt. In die Berechnung fließen auch die Produktionsbedingungen ein. So verbrauchen Tomaten, die in einer wüstenartigen Umgebung angebaut werden, mehr Wasser als solche, die aus gemäßigten Breiten stammen. In trockenen Gebieten benötigt intensive Landwirtschaft oft mehr Wasser als vorhanden. Daher werden beispielsweise Grundwasservorräte angezapft. Dieses Wasser steht der einheimischen Bevölkerung dann nicht mehr zur Verfügung.

Hoher Wasserverbrauch ist nicht immer schlecht

Allerdings bedeutet ein großer Wasserbedarf nicht immer einen extrem verschwenderischen Umgang mit Wasser. Das zeigt beispielsweise der Anbau von Kaffee. Im weltweiten Durchschnitt benötigt die Produktion von einem Kilogramm Röstkaffee 18.925 Liter Wasser– also 132 Liter für eine Tasse. Stammt der Kaffee aus Venezuela, Ecuador oder Tansania sind es sogar über 25.000 Liter. Doch der weitaus größte Teil dieses Wassers ist „grün“, also Niederschlagswasser, das in tropischen Bergregionen oft im Überfluss vorhanden ist. Kaffee aus Brasilien benötigt dagegen im Schnitt 15.865 Liter Wasser pro Kilogramm. Aber dieser wird immer häufiger in Gebieten mit Trockenwäldern oder Savannen angebaut, wie im Bundesstaat Bahia. Die Kaffeebüsche stehen nicht unter Schattenbäumen, sondern wachsen voll besonnt in industriell bewirtschafteten Plantagen mit zentralen Bewässerungssystemen. Es lohnt sich daher immer, die Produktionsumstände näher zu beleuchten.

4000 Liter Wasser am Tag

Die Berechnung des persönlichen virtuellen Wasserfußabrucks ist aus diesem Grund umständlicher als beim CO2-Fußadruck. Eindeutig ist jedoch, dass der virtuelle Wasserverbrauch deutlich über dem offensichtlichen liegt, der beispielsweise durch Waschen, Kochen oder Geschirrspülen entsteht. Das Statistische Bundesamt gibt letzteren mit 120 Litern pro Tag und Bundesbürger an. Rechnet man den versteckten Verbrauch mit ein, ergibt sich nach Berechnungen der gemeinnützigen Organisation Water Footprint Network ein virtueller Wasserfußabruck von knapp 4000 Liter am Tag.

Es gibt verschiedene Listen, auf denen der virtuelle Wasserverbrauch von Kleidung, Kraftstoffen, Lebens- oder Genussmitteln zu finden ist. Eine kleine Übersicht steht auf virtuelles-wasser.de, einem Projekt der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz. Mehr Informationen – allerdings auf Englisch – finden sich auf waterfootprint.org. Umfassendes Material zum Thema und Empfehlungen, wie sich der persönliche Wasserfußabruck reduzieren lässt, gibt es in einer Broschüre, die der WWF zum Download anbietet.




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