Nachhaltigkeit – ein Gedankenspiel



Nachhaltigkeit – ein Gedankenspiel
06. September 2017  ·  von Frank Stieldorf



Bewusstsein schaffen, hinterfragen, reflektieren, verändern – ein sich ständig wiederholender Prozess scheint notwendig. Denn, „unsere Erde weint“, so heißt es, und wir sollten den Reichtum der Natur als auch den sorglosen Umgang damit nicht als gegeben hinnehmen.

 

Dennoch sind die Reaktionen der Umwelt auf das ganz persönliche Bemühen des Einzelnen um mehr Nachhaltigkeit im täglichen Leben teilweise erschreckend. So frage ich mich, wie es sein kann, dass jemand, der das eigene Verhaltensmuster bereits verändert hat und Reduktion ganz bewusst lebt – den Fahrradschlauch selber flickt, benutztes Geschenkpapier zur Wiederverwertung aufhebt, Plastiktüten ausspült und wiederverwendet, Verpackungsmüll durch den Einkauf loser Ware vermeidet, Lebensmittel und Kosmetika selbst herstellt, kaputte Socken flickt…– für sein Tun oftmals Spott und Häme aus dem persönlichen Umfeld erntet. Wenn diese Person aber dann einmal, z. B. aus beruflichen Gründen, eine Flugreise antreten muss, werden Vorwürfe laut, wie das denn wohl mit den ansonsten gelebten Grundsätzen der Nachhaltigkeit vereinbar sei!

 

Anstatt wertzuschätzen, was derjenige schon für einen individuellen Beitrag leistet, machen wir uns darüber lustig, wenn diese Person statt 100 Prozent Nachhaltigkeit einmal nur 90 Prozent erreichen kann. Jemand, der Nachhaltigkeit rigoros lebt, wird heutzutage schnell zum Außenseiter der Gesellschaft.

 

Sollte es nicht besser so sein, dass wir respektvoll anerkennen, dass jedes Handeln, zum Wohle unseres Planeten ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist? Dann sind 10% nicht wenig, sondern mehr, als das, was bisher geleistet wurde. Es zeigt, dass man sich Gedanken über die Erde macht, sich bereit erklärt, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, den ersten Schritt wagt, das eigene Verhaltensmuster zu ändern. Eine schwierige – eine herausfordernde – Aufgabe, die Anerkennung verlangt.

 

 

Nachhaltigkeit ist nicht durch die Bildung von „sauberen“ Enklaven möglich

 

100 Prozent nachhaltig leben mag ein hehres Ziel sein, vielleicht sogar dogmatisch anmuten. Die Vorteile der modernen Gesellschaft mitnehmen und gleichzeitig „sauber“ dastehen ist wohl die Quadratur des Kreises. Wenn man aber das Zwanghafte und Dogmatische weglässt und das Unperfekte zulässt, dann öffnet sich eine ganze Palette kleiner und großer Möglichkeiten. Zum Beispiel: weniger Auto-, dafür mehr Fahrradfahren, keine PET-Flaschen mehr kaufen, eigene Becher für Coffee-to-go mitbringen, möglichst wenig Verpackung mitkaufen, nicht alles neu anschaffen, sondern reparieren lassen und so weiter.

 

Ein guter Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist bereits getan, wenn wir ohne erhobenen Zeigefinger, einfach als gutes Beispiel vorangehen. Nicht nur reden, sondern machen und bereit sein, sich auf Diskussionen einzulassen. So kann sich diese zarte Pflanze immer weiter ausbreiten.

Und wenn mit Freude, Kreativität und gutem Gefühl ein neuer, persönlicher Beitrag zum Schutz unseres Planeten entsteht, dann werden aus 10 Prozent bald 15 Prozent und mehr. Aus Nachhalten kann ein Vorhalten werden, zusammengesetzt aus vielen einzelnen Beiträgen (ganz egal wie groß sie sind).

 




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