Bio und Bauern zusammenbringen



Bio und Bauern zusammenbringen
25. November 2019  ·  von Hilmar Hilger



Dramatischer Artenschwund, Verlust von Nahrung und Lebensraum, Belastungen für Böden, Luft und Wasser, Folgekosten in Milliardenhöhe, drohende Strafen wegen zu hoher Nitratbelastung im Grundwasser von 850.000 Euro – täglich. Die Liste der negativen Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaftsindustrie ist bekannt und ließe sich noch weiter fortführen. Immer mehr Menschen fordern eine andere Art der Lebensmittelerzeugung; im Einklang und nicht gegen die Natur, nach guter bäuerlicher Praxis, ohne chemisch-synthetische Pestizide, Kunstdünger, sinnloses Tierleid und endlose Monokulturen.

Auf der anderen Seite: die Bäuerinnen und Bauern, deren ökonomische Zwänge nicht zuletzt dadurch so gravierend sind und sie zu einer immer effektiveren Produktionsweise zwingen, weil die Verbraucher*innen in der Mehrheit noch immer viel zu billiges Fleisch, Gemüse und Obst nachfragen. Hinzu kommen Vorschriften, Auflagen und Regelungen, wie die neue Düngeverordnung, die so manchen Betrieb ans Aufgeben denken lassen.

Beide Lager fühlen sich un- und missverstanden. Dabei ist klar, dass wir über die zwei Seiten derselben Medaille sprechen, wenn es um Konsument*innen und Erzeuger*innen geht. Höchste Zeit also, in Dialog zu treten, Möglichkeiten aufzuzeigen und an einem Strang zu ziehen.

Ein Mosaikstein in diesem Aufeinanderzugehen sind die jährlichen Landwirtschaftstage der Rheinsberger Preussenquelle. Als Bio-Mineralwasserbrunnen fühlt sich das Unternehmen nicht nur aufgrund von Lokalkolorit mit seiner Region verbunden, sondern, weil der Schutz der Umwelt stets ein Schutz der eigenen Quelle bedeutet. Gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppiner Land und dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land luden die Rheinsberger am vergangenen Mittwoch nach Menz. Über 40 Gäste folgten der Einladung, darunter zahlreiche Landwirte aus der Umgebung, die sich zu einer anderen, nachhaltigen Art der Landwirtschaft informieren wollten.

Wie man erfolgreich auf Bio umstellt, stand bei vielen Vorträgen im Mittelpunkt.

Fünf Vorträge zu unterschiedlichen Aspekten der nachhaltigen und umweltschonenden Tierhaltung sowie zum Ackerbau wurden den Landwirtschaftsvertreter*innen präsentiert. Die Bundestagsabgeordnete und agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Dr. Kirsten Tackmann, gab Einblicke in den Stand der EU-Agrarreform sowie die Förderung des Ökolandbaus. Uwe Becherer, Bioland Beratung Ost, referierte zur Entwicklung der Bio-Anbauflächen und zu Förderungen im Land Brandenburg. Was bei der Umstellung auf ökologischen Ackerbau zu beachten ist, verriet Dr. Harriet Gruber von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern. Auch die Praxis kam nicht zu kurz: Erhard Hinz, Bio-Landwirt aus der Region berichtete von seinen Erfahrungen und dem Stand aktueller Projekte. Wie und unter welchen Voraussetzungen die Mobilstallhaltung von Hühnern zu mehr Tierwohl und Umweltschutz führt, erklärte Ronald Mikus von der Fördergemeinschaft Landbau Berlin-Brandenburg e.V.

Dr. Kirsten Tackmann, (MdB), Agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

Viel fachlicher Input, der auf interessierte Hörer*innen stieß. Wer den Gesprächen während der Pausen und nach der Veranstaltung folgte, merkte deutlich: für viele Beschäftigte in der Landwirtschaft ist „Öko“ kein No-Go, sondern eine echte Alternative. Nicht wenige haben bereits teilweise auf Bio-Landwirtschaft umgestellt oder bereiten die Wende nun vor. Der Dialog an diesem Tag hat deutlich gemacht, dass es ein Verständnis von beiden Seiten braucht, um der großen Aufgabe einer umweltangepassten- ja umweltfreundlichen – Landwirtschaft gerecht zu werden.

Dr. Harriet Gruber von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern

„Wir verstehen uns als Wasser-Bauern“, erklärte Frank Stieldorf, Geschäftsführer der Rheinsberger Preussenquelle. Und wir wissen um die Herausforderungen der Bäuerinnen und Bauern; generell und speziell in unserer Region. Dieser Tag soll Jahr für Jahr auf die Schlüsselrolle der Akteure im Ruppiner Land aufmerksam machen und nicht zuletzt ganz praktische Unterstützung bieten. Interesse und Feedback sprechen für sich und unser Bemühen, die Region Stück für Stück nachhaltiger zu gestalten. Wir werden unser Engagement fortsetzen und intensivieren.“

Der 4. Landwirtschaftstag findet am 18. November 2020 in Menz statt.

 

Vorträge des 3. Landwirtschaftstages vom 20. November 2019:

Umstellung auf ökologischen Landbau. Was ist im Ackerbau zu beachten? (Dr. Harriet Gruber)

Agrarpolitischen Rahmensetzung. EU-Agrarreform, Förderung des Ökolandbaus. (Dr. Kirsten Tackmann)

Umstellung auf Bio-Landwirtschaft. Entwicklung der Anbauflächen, Förderungen in Brandenburg. (Uwe Becherer)




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