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Heilsames Eintauchen ins Grün



Heilsames Eintauchen ins Grün
29. September 2018  ·  von Witold Michalczyk



Die meisten von uns werden schon einmal erlebt haben, wie wohltuend ein Spaziergang durch den Wald nach einem anstrengenden Arbeitstag ist: Der Stress lässt nach, man atmet durch. Das ist das Grundprinzip des Waldbadens.

Aber diese besondere Art des Waldbesuchs bietet weit mehr als ein Spaziergang oder eine Wanderung. Waldbaden bedeutet Reduktion, Naturempfinden und Gesundheitsförderung.

Geräusche, Gerüche und Ruhe

Wer mit einer „Waldbademeisterin“ wie Nadja Hinrichs vier bis fünf Stunden durch den Schwarzwald in Saig bei Lenzkirch geht, taucht ganz und gar in den Wald ein, hört dessen Geräusche, atmet die Gerüche ein, sieht die vielen Schattierungen des Grüns im milden Licht und hat genug Zeit, alles in Ruhe zu betrachten. Und auch zu sich selbst zu finden: Denn während des Waldbadens gibt es Phasen, in denen Schweigen im Mittelpunkt steht. Still läuft die Gruppe nebeneinander her – zumeist abseits der Wege. Bei manchen Anstiegen empfiehlt Nadja Hinrichs, nur so schnell zu gehen, dass man nicht aus der Puste gerät. Ganz automatisch beginnt man, in seinen Körper hineinzuhören. Kleine Meditationspausen machen einen empfänglicher – für das, was um einen herum passiert, aber auch für das, was sich in einem selbst verändert. Erzählungen über den Wald, seine Bedeutung für das gesamte Ökosystem unseres Planeten gehören bei einem Waldbad mit Nadja Hinrichs ebenfalls dazu.

Meditationspausen abseits der Wege lassen die Empfänglichkeit für Äußeres und Inneres steigen.

Der Blutdruck sinkt, die Zahl der Helferzellen steigt

Der Aufenthalt im Wald senkt den Blutdruck und verbessert die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems. Diese Wirkung ist wissenschaftlich untersucht. In Japan befassen sich Mediziner seit vielen Jahren mit den positiven Effekten des Shinrin Yoku, wie Waldbaden in Japan genannt wird. Sie haben gemessen, dass nach ausgiebigem Waldbaden die Zahl der weißen Helferzellen im Blut um bis zu 40 Prozent steigt. Helferzellen unterstützen das Immunsystem und wirken entzündungshemmend. Die Wirkung hält bis zu 14 Tage vor. „Wer jeden Monat zweimal mindestens vier Stunden waldbadet, stärkt seine Gesundheit dauerhaft“, erklärt Nadja Hinrichs.

Der Wald ist ein idealer Platz, um seinen Kopf wieder frei zu bekommen.

Die Wirkung der Terpene

Den positiven Einfluss des Waldes verdanken wir den Terpenen. „Das sind Pflanzenstoffe, die von Bäumen an die Atmosphäre abgegeben werden.“ Das Harz von Nadelbäumen enthält besonders viele Terpene, die die Gesundheit der Menschen fördern. Vermutlich verständigen sich Bäume auch mithilfe dieser Moleküle untereinander. „Wenn ein Baum von Borkenkäfern befallen wird, warnt er über Terpene andere Bäume, die dann beispielsweise Gerbsäure zur Abwehr ausbilden“, erklärt Nadja Hinrichs. Wer den typischen Waldgeruch einatmet, nimmt an einer Art Kommunikation des Ökosystems teil. Außerdem ist Waldluft staubarm und enthält kaum Reizgase. Ein idealer Platz für den städtischen Büromenschen, um wieder klar zu werden.

Zweimal im Monat vier Stunden waldbaden stärkt die Gesundheit dauerhaft.

Überall, wo es Wald gibt

Die Gegend rund im Lenzkirch ist nicht die einzige in Deutschland, in der Waldbaden möglich ist. Auf Usedom gibt es einen eigenen Kur- und Heilwald im Ostseebad Heringsdorf. Zahlreiche Gemeinden im wald- und wasserreichen Mecklenburg-Vorpommern wollen künftig ebenfalls zum Waldbaden einladen. Und das Berliner Wannsee Immanuel-Krankenhaus plant einen Waldbadepfad für seine Patienten. Eigentlich geht es überall, wo es Wald gibt. Und so einzigartig wie jeder Wald ist dann auch das Erlebnis und der Effekt, wenn der Badende dort eintaucht.

 

Mehr Infos gibt es unter: https://www.schwarzwald-baden.com/

Fotos: Hinrichs
Witold Michalczyk

Witold Michalczyk

Nachhaltigkeit, Technik und Handwerkskunst – über diese Themen recherchiert und schreibt Witold A. Michalczyk begeistert. In der Freizeit lässt er sich von seinem Garten, auf Touren durch einsame Höhlen und der Geschichte des Stummfilms zu neuen Ideen inspirieren. Witold A. Michalczyk lebt am Rand der Schwäbischen Alb.
Witold Michalczyk

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1 Kommentare




  • Kommentar von Egbert Witzlau

    Der Der „Doktor Wald “ legt die verschütteten Sensoren unserer evolutionären Prägungen frei, und stärkt prognostisch präventiv unsere Selbstheilungskräfte. Dein Artikel reiht sich ein , in den Strom von menschlichen Empfindungen die endlich eine breite öffentliche Bewusstseinsänderung fokussieren müssen !
    Als LUPUS-NATUR-Scout im Naturpark Stechlin – Ruppiner Land hätte ich auch noch ein paar “ systemische Vorschläge “ im Rucksack !
    Wölfische Grüße,
    LUPUS-ONE-Egbert Witzlau

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