Die Stadt gehört uns nicht allein



Die Stadt gehört uns nicht allein
27. April 2020  ·  von Hilmar Hilger



Wildtiere und Stadt: diese Kombination ist seit jeher nicht gerade optimal. In erster Linie für die Tiere, die trotz des hohen Stresslevels durch Lärm und extrem wenig Lebensraum mitten unter den Menschen leben. Gründe dafür sind oft das größere Futterangebot oder die kaum nennenswerte Verfolgung. Laut NABU Landesverband ist Berlin bspw. führend mit mehr als zwei Drittel aller überhaupt bei uns als Brutvögel vorkommenden Vogelarten. Wie nahezu jeden anderen Aspekt unseres Lebens berührt Corona aber auch das Verhältnis zwischen Mensch und Tier in der Stadt.

Einer Wildschweinrotte mit Frischlingen sollte man aus dem Wege gehen.

Mitte April rief die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz die Bürger*innen Berlins dazu auf, zum Schutz der in der Stadt lebenden Wildtiere beizutragen und nicht in deren Lebensräume einzudringen. Denn gerade jetzt wird der Nachwuchs in Parks, Schrebergärten oder Brachflächen geboren und aufgezogen. Liegt bei einer menschlich-tierischen Begegnung bei Vögeln, Eichhörnchen und Co. der Schreck noch eindeutig auf Seiten der Tiere, sieht es bei Wildschweinen schon anders aus. Sind diese eigentlich scheu und zurückhaltend, reagiert eine Bache zum Schutz ihrer Frischlinge mitunter angriffslustig und sollte keinesfalls unterschätzt werden. Sich aus dem Wege zu gehen, ist daher eine gute Idee, im Sinne aller.

Aufgrund der Corona-Restriktionen sind viele Straßen deutlich weniger befahren, die Hektik der Stadt ging zurück. Aber das gute Wetter und die Möglichkeit, öffentliche Grünanlagen besuchen zu dürfen, locken die Berliner*innen nachmittags, abends und am Wochenende in die Parks. Hält man sich dort an die Abstandsregeln, so wird jeder noch so abgelegene Platz attraktiv, will man in Ruhe und vor allem regelkonform die Sonne genießen. Genau da wird es nun richtig eng zwischen Mensch und Tier.

Aber auch andere tierisch-menschliche Gewohnheiten sind mitunter jäh beendet worden. Mit Blick auf Stadttauben schlugen bereits Mitte März Tierschützer Alarm. Denn Tauben, die jetzt auch ihren Nachwuchs versorgen müssen, sind an die Fütterung durch den Menschen gewöhnt oder ernähren sich von dem, was Passanten zurücklassen. Hinzu kommt: Tauben sind standorttreu; verlassen also ihr gewohntes Umfeld nicht, selbst wenn das Futterangebot kritisch wird.

Waschbären dringen mitunter durch die Katzenklappe ein und suchen nach Fressbarem.

Viele Menschen beobachten mehr und mehr Tiere, die sich aus ihrer gewohnten Deckung wagen und an den ruhiger gewordenen Straßen und Plätzen auftauchen. Füchse, Waschbären und auch Wildschweine gehören in Berlin zu den häufig gesichteten Wildtieren. Die Senatsverwaltung rät derzeit, Hunde an der Leine zu halten, auf den offiziellen Wegen zu bleiben und auch in den Grün- und Parkanlagen Pflanzen und Tiere nicht zu berühren oder zu stören. Angesichts der Vielzahl von tierischen Berliner*innen sind diese Ratschläge nicht nur im Frühjahr sinnvoll, sondern sollten das ganze Jahr über beachtet werden.

Vor allem gilt jetzt: Jungtiere, die man allein antrifft, sind es meistens nicht. Die Elterntiere sind eigentlich immer in Hörweite und kommen wieder zu ihren Jungen zurück, wenn kein Mensch mehr in der Nähe ist. Sollte ein Tier, jung oder alt, doch in Not oder krank sein, sollte man sich an den NABU oder die Polizei wenden.

Auch wenn Füchse Marder, Waschbären, Kaninchen, Wildschweine und Rehe durch die Corona-Ruhe nun etwas auffälliger für uns Städter geworden sind, sollten wir ihre Lebensräume auch dann respektieren, wenn wir sie nicht sehen oder keine Jungen großgezogen werden. Schließlich sind wir alle irgendwie Nachbar*innen in Berlin.

Foto-Credits:
Titelbild: wal_172619 auf Pixabay
Bild Widschweine: antoniquedelange0 auf Pixabay
Bild Waschbären: Hoozeme auf Pixabay



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