Zu warm, zu trocken – eine Ausnahme oder wird das zur Regel?



Zu warm, zu trocken – eine Ausnahme oder wird das zur Regel?
22. März 2019  ·  von Witold Michalczyk



Nahezu das ganze Jahr 2018 hindurch regnete es deutlich weniger als üblich. Nicht nur regional, sondern deutschlandweit. Auch andere Teile der Welt litten unter Wetterextremen. Die Folgen sind für die Menschen auch im Jahr 2019 spürbar– egal, ob sie die für einen Witterungsphänomen halten oder um eine Auswirkung des Klimawandels.

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young stehen eigentlich nicht im Verdacht, zu den Apologeten einer Klimaveränderung zu gehören. Dennoch mahnte Dr. Christian Janze, Leiter der Agribusiness-Abteilung bei Ernst & Young Niederlassung in Hannover Anfang Januar 2019: „Der Klimawandel ist in vollem Gange, es besteht die Gefahr eines weiteren Dürrejahres wie 2018.“

Auch Fred Hattermann, Forscher am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung sieht in den Wetterextremen, die im vergangenen Jahr weite Teile der Nordhalbkugel dominierten, ein Zeichen für den menschengemachten Klimawandel. Dürre in Deutschland, verheerende Waldbrände in Kalifornien, Starkregen in Japan oder die extremen Stürme über dem Mittelmeer  – wenn die Prognosen zutreffen, werden die Menschen sich zukünftig viel häufiger mit der Häufung solcher Extremwetterlagen auseinander setzen müssen.

Das Bewusstsein für Wasser ist im Sommer 2018 gewachsen

Doch selbst, wenn man trotz dieser Modellrechnungen die Trockenheit des vergangenen Sommers als ein singuläres Phänomens ansieht: In den Monaten zwischen März und November ist vielen Menschen wieder bewusst geworden, wie wichtig Wasser für das Leben ist. Und welche Folgen das Ausbleiben des Niederschlags hat. In den Regionen rund um Berlin mussten Landwirte 30 bis 50 Prozent weniger Getreide, Raps oder Mais als sonst üblich ernten. Im gesamten Jahr regnete es in Brandenburg nur etwas mehr als die Hälfte der durchschnittlichen Menge.

Im Jahr 2018 lagen die Erntemengen bis zu 45 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

Deutschlandweit sehen die Zahlen ähnlich aus. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands lagen die Erträge für die sieben wichtigsten Getreidearten um bis zu 45 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel. Der im Dezember einsetzende Regen hat zwar zu einer Entspannung für die Böden geführt, doch ist das Niederschlagdefizit in den meisten Regionen noch lange nicht wieder aufgeholt. Und die Ernteausfälle bleiben und gefährden die Existenz vieler Bauernhöfe. Letzteres liegt unter anderem auch daran, dass die konventionelle Landwirtschaft immer noch den großflächige Anbau von Monokulturen bevorzugt. Ernteausfälle bedeuten hier einen Totalverlust. Landwirte, die auf kleineren Feldern auf Vielfalt auf dem Acker setzen, büßen seltener ihre komplette Ernte ein. Setzen sie dabei noch auf eine ökologische Landwirtschaft, sorgen sie auch für bessere Böden, die mehr Wasser speichern können, als die als konventionell bewirtschaftete Böden – was ebenfalls hilft, die Ernte in Trockenzeiten zu erhalten.

Regenwasser ist für das Wachstum von Pflanzen undabingbar. Vielerorts gab es im vergangenen Jahr zu wenig davon.

In Berlin regnet es auf Steppenniveau

400 Millimeter pro Quadratmeter hat es 2018 in Berlin geregnet. Üblich sind knapp 600 Millimeter. Laut Kompaktlexikon der Biologie ist eine Steppe unter anderem durch eine Niederschlagsmenge von weniger als 500 Millimetern pro Jahr definiert. Die Trockenheit hat auch den Pegelstand der Spree sinken lassen. Teilweise stand der Fluss oder floss sogar rückwärts.

Berlin bezieht sein Trinkwasser aus eigenen Flächen. Die Spree spielt dabei für die Versorgung der 3,6 Millionen Einwohner eine zentrale Rolle. Steht der Fluss, wirkt sich das auch auf die Qualität des Trinkwassers aus. Denn das Wasser der Spree muss erst verdünnt werden, bevor es in aus den Hähnen zwischen Spandau und Köpenick fließen darf. Es ist durch Sulfate aus dem Braunkohle-Abbau im Oberlauf des Flusses belastet. Um die Richtwerte bezüglich des Sulfatgehalts einzuhalten, muss unbelastetes Wasser beigemischt werden. Doch im vergangenen Sommer waren die Stauseen der Region, die üblicherweise die Wasserversorgung ergänzen nahezu leer. Der Regen im Winter hat die Lage zwar entspannt. Ob die Wassermenge aber ausreicht, werden die kommenden Monate zeigen.

Nachtrag: Ich schreibe diesen Text im Februar 2019 am Rand der Schwäbischen Alb. Wieder regnet es seit vielen Tagen nicht oder höchstens sporadisch. Die Temperaturen liegen um neun bis zehn Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Eine Witterung, sicherlich. Rückschlüsse auf das Klima lassen sich für den Laien kaum ziehen, auch nicht aus der Trockenheit des Sommers 2018. Aber aus meiner subjektiven Wahrnehmung nimmt die Zahl dieser extremen Witterungen seit einigen Jahren beständig zu.

Fotos:
Henrik G. Vogel/pixelio.de
Rudolpho Duba/pixelio.de
Christian heinze/pixelio.de



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