Lebensraum für Insekten



Lebensraum für Insekten
21. November 2019  ·  von Hilmar Hilger



Kategorie Überregionale Nachhaltigkeit und Ökologie

Der NABU Regionalverband Calau e.V. hat eine einfache, wie effektive Idee entwickelt, um dem dramatischen Rückgang der Artenvielfalt und dem Bestandsrückgang insbesondere bei Insekten etwas entgegen zu setzen: Flächen im innerstädtischen Raum oder in Gewerbegebieten, die nicht kommerziell genutzt werden, sollen höchstens nur noch zweimal im Jahr gemäht werden, um dadurch Nahrungs- und Reproduktionsflächen für Insekten zu schaffen. Infrage kommen Rasenflächen in Wohngebieten oder Gewerbegebieten. Nur, ungemähte Wiesen und Brachflächen wirken auf flüchtige Betrachter nicht selten verwahrlost. Und wer möchte mit seinem Grundstück schon gerne diesen Eindruck erwecken?

Passanten sollen informiert und zum Nachdenken angeregt werden.

Die Mitglieder des Regionalverbandes haben daher zwei Schilder im A4-Format entwickelt, die aufklären, dass es sich nicht um eine ungepflegte Fläche, sondern vielmehr um „Lebensraum für Insekten“ handelt. Ergänzt wird diese Information durch einen zweiseitigen Flyer. Der „unordentliche“ Anblick soll den Bürger*innen so erklärt und gleichzeitig ein Nach- bzw. Umdenken hervorgerufen werden. Die Schilder werden an den Flächen aufgestellt, der Flyer dient der Information aller Akteure. Gesprochen wird mit den Eigentümern der Flächen, also den Kommunen, den Wohnungsbaugesellschaften, den Gewerbetreibenden. Zur zusätzlichen Kommunikation der Idee wurden außerdem Medienvertreter angesprochen, Flyer postalisch an Gewerbetreibende versendet und vor allem die persönliche Kontaktaufnahme zur Erklärung des Projektes genutzt. Eine Kindergruppe – die Juniorrancher des Biosphärenreservats Spreewald – wurde in das Projekt einbezogen. Die NABU-Gruppe hat gemeinsam mit den Kindern den Bürgermeister der Stadt Lübbenau und die Wohnungsbaugesellschaft Lübbenau besucht. Dort haben die Juniorrancher die Hintergründe der Aktion erklärt und um das Aufstellen der Schilder an geeigneten Flächen gebeten. Bisher haben, neben Einzelpersonen, die Städte Lübbenau und Vetschau, die Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald (WIS GmbH) und der Arbeiter-Samariter-Bund ihre Teilnahme erklärt.

Die Juniorrancher des Biosphärenreservats Spreewald „im Einsatz“

Abgesehen vom Nutzen für die Insekten, entstehen durch das Engagement der Gruppe innerstädtische Wiesen, die wieder diesen Namen verdienen. Denn wenn wenig gemäht wird, haben Pflanzen, die zu den Standortbedingungen passen, wieder eine Chance sich anzusiedeln. Davon profitieren auch Vögel und andere Kleinsäuger, die sich zum Beispiel von Insekten oder Pflanzen ernähren. Weniger mähen, bedeutet auch weniger Lärm, weniger Abgase bzw. Energieverbrauch für Elektromäher. Weniger mähen, bedeutet auch weniger Wasserverdunstung, da der Boden nicht direkt der Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist; bei Brandenburger Böden ein wichtiger Aspekt. Weniger mähen, bringt eine Pflanzenvielfalt, die durch den Anblick der Wiese auch das Herz erfreuen kann. Und Wildpflanzen wiederum bereichern durchaus unseren Speiseplan; können richtig eingesetzt, sogar Beschwerden lindern.

Sollte der NABU Regionalverband Calau den Nachhall gewinnen, soll das Preisgeld zur Refinanzierung der für das Projekt bereits ausgegebenen Mittel und für neue Schilder genutzt werden. Denn natürlich wollen die Akteur*innen noch mehr Menschen erreichen und naturnahe Wiesen schaffen. Wenn möglich, soll außerdem eine kleine Feier mit den aktiven Kindern auf einer Wiese umgesetzt werden.




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